Erschöpft, ratlos, allein damit – ein Gefühl, das mir oft begegnet

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Ratlos in den Wechseljahren
Ratlos in den Wechseljahren

Folge 1 von 10: Ayurveda und Wechseljahre – Herausforderungen zwischen Alltag, Familie und Arbeit

Jede dritte berufstätige Frau zwischen 40 und 62 fühlt sich laut einer aktuellen DAK-Studie durch die Wechseljahre im Job beeinträchtigt – fast die Hälfte davon sogar stark. Am häufigsten genannt: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit. Das sind keine Randfälle, das ist ein Großteil der Frauen in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens. Und trotzdem trifft es die meisten von ihnen wie ein persönliches Versagen: Du kommst nach Hause, der Tag war eigentlich nicht schlimmer als andere – und trotzdem bist du leer. Nicht nur müde. Eher: ratlos. Du weißt nicht genau, woran es liegt, und du traust dich kaum, es laut auszusprechen, weil es sich anfühlt, als müsstest du eigentlich funktionieren. Genau dieses Gefühl begegnet mir in meiner Sprechstunde fast jede Woche.

Was hinter der Zahl steckt

Eine Zahl wie „jede dritte Frau“ bleibt abstrakt, bis man sieht, wie sie sich im Alltag anfühlt. Eine gute Freundin von mir ist Ärztin in einem großen Krankenhaus der Maximalversorgung. Sie steckt mitten in der Perimenopause, der Zyklus macht was er will, sie schläft schlecht, kommt morgens nur schwer in die Gänge. Die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten macht ihr Freude – das Drumherum immer weniger. Das Management spart an guter Software, ergonomischer Ausstattung fürs Büro, selbst Lüfter werden bei diesen heißen Temperaturen nicht beschafft. Alles Dinge, die seit Jahren nicht gut laufen, werden jetzt im Wechsel deutlich spürbar. Was vorher ein Kampf mit den Softwareprogrammen war, kann jetzt zum Verzweifeln führen. Die Antwort auf Änderungswünsche damals, wie heute: ob man denn nicht wisse, wie teuer das sei.

„Das fühlt sich an wie ein Krankenunternehmen, nicht wie ein Gesundheitsunternehmen.“

Und das Bittere daran: Ausgerechnet dort, wo überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten – in Krankenhäusern, in der Pflege –, ist für echtes Gesundheitsmanagement am wenigsten Geld da. Was der Gesetzgeber zum Arbeitsschutz vorschreibt, ist oft schon die Obergrenze dessen, was passiert. Alles, was darüber hinausgeht, können sich meist nur große, wirtschaftlich starke Unternehmen leisten. Die Häuser, die gerade ums Überleben kämpfen, sind es nicht.

Im Topf „Stress“ verschwindet vieles

Ich betreue als Betriebsärztin auch viele Pflegeheime. Dort taucht das Thema Wechseljahre so gut wie nie unter seinem eigenen Namen auf. Es heißt „Stress“. Erst wenn ich in der Sprechstunde nach dem Schlaf frage, oder nach dem Gewicht, das sich einfach nicht mehr regulieren lässt, kommen wir langsam an den eigentlichen Kern: die dauernde Müdigkeit, das schwere Aufraffen, der Zyklus, der plötzlich nicht mehr regelmäßig ist.

Die behandelnden Frauenärzte haben leider auch keine Zeit und kein Wundermittel. Viele haben sich auf dieses Gebiet nicht weiter spezialisiert. Im Medizinstudium haben wir in den 90ern nichts darüber gelernt. Es gab lange Zeit auch keinen Raum dafür, dass wir überhaupt über „Frauendinge“ sprechen – das ist heute, bei allem, was noch fehlt, tatsächlich schon ein Fortschritt. Frauen trauen sich inzwischen eher, das anzusprechen, was früher stillschweigend ausgehalten wurde. Nur bleibt danach oft trotzdem die Ratlosigkeit: Wohin jetzt damit?

Wenn die Schulmedizin an ihre Grenzen kommt

Eine andere Freundin hatte in ihrem Wechsel über Monate fast durchgehend ihre Blutung, wurde zusehends schlapper. Die Standardhormone ihrer Frauenärztin halfen nicht mehr weiter – am Ende stand eine Operation und eine wochenlange Reha, bis sie sich wieder halbwegs wie sie selbst fühlte. Ihre Arbeitsfähigkeit war in dieser Zeit sehr reduziert – für den Arbeitgeber und für sie selbst keine einfache Situation.

Das ist jetzt schon ein Extrembeispiel, aber aus meinem Umfeld. Wie schaut es in deinem Umfeld aus? Wie geht es dir?

Der Boden, der sich verschiebt

Im Ayurveda betrachtet man die Wechseljahre als einen Übergang zwischen zwei Lebensphasen: von Pitta, der tatkräftigen, zielstrebigen Frau in der Lebensmitte, zu Vata, der reiferen, leichteren, aber eben auch unruhigeren Frau. Vata steht für Bewegung, für Wandel – und wenn es aus dem Gleichgewicht gerät, genau für das Gefühl, das so viele Frauen in dieser Zeit beschreiben: der Boden, der sich ein Stück verschiebt. Ratlosigkeit, Unruhe, das Gefühl, nicht mehr ganz gefestigt zu stehen.

Die klassische ayurvedische Antwort darauf wäre: langsamer werden, Regelmäßigkeit, Rückzug. Nur ist das für die meisten von uns kaum zu machen. Wir sind heute doppelt gefordert – wir müssen aus finanzieller Notwendigkeit arbeiten, und wir wollen uns beruflich verwirklichen, oft genau in der Lebensphase, in der Vata am meisten Ruhe bräuchte. Genau an diesem Punkt setzt für mich die Verbindung aus Arbeitsmedizin und Ayurveda an: nicht das eine gegen das andere, sondern beides zusammen denken – wie lässt sich ein Stückchen Regelmäßigkeit und Erdung auch in einem vollen Berufsleben unterbringen?

Was du jetzt tun kannst

Wenn deine Frauenärztin nicht mehr weiterweiß: Trau dich, auch deine Betriebsärztin oder deinen Betriebsarzt anzusprechen. Das ist genau unsere Aufgabe – und das Thema kommt gerade spürbar in Bewegung, es stand auf den letzten beiden Kongressen des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VdBW) mit im Programm. Zieh auch eine gute Naturapotheke oder eine naturärztliche Praxis in Betracht. Frag eine Freundin, ob sie eine Idee hat oder jemanden kennt – meistens weiß jemand aus dem eigenen Umfeld mehr, als man denkt. Und vor allem: Schluck deine Unsicherheit nicht runter. Sprich es aus, auch wenn es sich zuerst unangenehm anfühlt.

Du möchtest raus aus der Ratlosigkeit und wieder Boden unter den Füßen spüren? Dann lass uns sprechen – in einem kostenfreien Kennenlerngespräch oder in meiner Praxis begleite ich dich dabei.

Alles darf sein, nichts muss – aber schweigen musst du damit nicht.

In den nächsten neun Folgen dieser Serie schauen wir gemeinsam genauer hin: auf Hitzewallungen im Meeting, auf schlaflose Nächte zwischen Deadlines, auf die Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf, auf Ernährung, Bewegung, Führung – und am Ende darauf, was Unternehmen wirklich tun können. Ich freue mich, wenn du dabeibleibst.

Quellen und Hintergrund: DAK-Studie zu Wechseljahren im Job, Human Resources Manager zu Wechseljahren am Arbeitsplatz, BARMER-Empfehlungen für Arbeitgeber.

Avatar von Dr. med. Solveig Knauth

Von Dr. med. Solveig Knauth

Ayurvedamedizinerin Fachärztin für Arbeitsmedizin

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